Häufig hat man es als Content-Lieferant z.B. als Firmenblogger ja schwer, festzustellen, ob die geschaffenen Inhalte dem Publikum gerecht werden. Werden die Blogbeiträge geklickt, werden sie zu Ende gelesen? Dafür sollte man beim Schreiben inhaltliche Checks einplanen und danach die Nutzungszahlen überprüfen. Ich helfe auch mit einem konkreten Tipp weiter, wie Sie diese noch besser analysieren können.

Eat your own dogfood

Nun, die «Eat your own dogfood»-Regel ist unmissverständlich. Würden Sie das Geschriebene selbst gerne lesen, und zwar ganz? Enthält es neue Ansichten, inspiriert der Artikel oder – das ist ja auch nicht so schlimm – ist er sogar unterhaltsam? Top, dann haben Sie diese Weiche ja schon genommen, denn Sie sind doch selbst Ihr härtester Kritiker. Und damit Sie wirklich Abstand haben, empfehle ich, einen geschriebenen Text über Nacht einwirken zu lassen, und dann am Morgen als Unbekannter zur Hand zu nehmen (wie es mit diesem Text auch geschehen ist).

Erzeugen Sie Peer Pressure

Für einen qualitativ guten Text hilft auch: Setzen Sie sich unter Druck. Genau, wie damals als Sie Ihren Freunden versprochen haben, dass Sie jetzt die nächsten hundert Tage keine Zigarette mehr anrühren. Der Druck tat gut, und womöglich sind Sie ja so auch vom Rauchen weggekommen.

Neben der Prüfung Ihres Artikels durch Nahestehende, sei es nun durch Leute in Ihrem Team (die sind auch dafür bezahlt) oder im Freundeskreis (seien Sie hier ein bisschen dosierender), hat mir die folgende Methode gut gefallen.

Die Mitarbeitenden der Espressobar Vicafé, die seit Oktober 2014 in Zürich feinen Kaffee ausschenken, schreiben ihre Beobachtungen zum Tag auf eine Schiefertafel, gut einsehbar für die Kunden. Wenn man sich so dem direkten Feedback der Leser aussetzt, kann man es sich gar nicht mehr erlauben, einen schlechten Spruch abzuliefern.

Der Schalter bei Vicafé testet ihren Tagesspruch mit der Schiefertafel im Aushang

Kommt der Tagesspruch an? Die Espressobar Vicafé direkt nach den nationalen Wahlen im Herbst 2015

Überschätzt: Social Media-Indikatoren

Vicafé stellt übrigens danach ein Foto mit dem Spruch samt Ausschankfenster und Barista ins Instagram, wo es auch noch für Facebook dupliziert wird. Klar, wenn hier einem die virtuellen Herzen zufliegen, hat man etwas richtig gemacht. Andersrum gilt das natürlich nicht: Auch wenn Ihr Beitrag keine Höchstwerte an Likes und Shares erreicht, kann er dennoch für eine Nutzergruppe von Wert sein.

Seien Sie sich dafür über den Unterschied über kurzfristigen Buzz (viele Likes und Shares) und langfristigen Impact bewusst (kurze Erklärung und für weitergehend Interessierte). Dieser Gegensatz kann sogar Ihre Entscheidung über den passenden Titel beeinflussen.

Wir halten kurz inne. Sie haben nun den Content von verschiedenen Seiten abchecken lassen, bevor Sie ihn veröffentlicht haben. Danach konnten Sie vorsichtig erste grobe Vergleiche aus den Social Media-Indikatoren ziehen. Sie ahnen es schon, jetzt kommt die Nutzungsstatistik.

Passen Sie bei Google Analytics auf

Schauen Sie jetzt dafür in Ihr Google Analytics-Konto rein. Sehen Sie sich einerseits die Besuchszahlen an, welche die einzelnen Blogbeiträge erzielt haben. Welches Thema hat die Leute am besten angesprochen und/oder wurde im Newsletter oder auf Social Media erfolgreich angeteasert? Die absoluten Besucherzahlen zeigen genau das, aber nicht mehr.

Ob der Artikel gut war, und das kann auch von einem kleinen Nischenpublikum so gesehen werden, finden Sie nur heraus, wenn Sie erfahren, ob der Artikel wirklich gelesen wurde. Aber wie macht man das?

Frage: Welcher Anteil meiner «Leser» liest den Blogbeitrag ganz?

Vergessen Sie die durchschnittliche Sitzungsdauer auf der Blogseite. Dieser Wert wird verzerrt durch sehr lange geöffnete Browserfenster und ist wie gesagt nur der Durchschnitt (ein Medianwert wäre da schon besser). Bei der Online-Agentur Feinheit hatten wir es mit einem Trick versucht. Bevor der Artikel publiziert wurde, massen wir, wie lange man benötigt, ihn durchzulesen. Diesen Sekundenwert (für diesen Artikel hier: 211) gaben wir ins Backend der Webseite ein. Öffnete der Leser unseren Blogbeitrag, wurde der Browser damit beauftragt, nach Ablauf der im Backend gespeicherten Sekunden einen Event an Google Analytics zu senden. Schloss der Leser vor Ablauf dieser Frist den Browser bzw. den Tab, wurde der Event nicht ausgelöst.

So konnten wir ermitteln, welche Artikel vollständiger als andere gelesen wurden. 30 bis 40 Prozent der Personen, die unsere Blogbeiträge angeklickt hatten, lasen sich dann durch diese durch.

Nur: Ob diese Zahl ernüchternd oder zufriedenstellend ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Und somit auch nicht, ob dieser Content es wert war, produziert zu werden (eine weiterführende Diskussion, ob nicht weniger Content mehr ist).

Zum Vertiefen

Kissmetrics Blog: Prüfen, ob Inhalte beim Publikum ankommen, ist wichtiger Teil der Content-Strategie

Dieser Beitrag erschien zuerst bei der Online-Agentur Feinheit.